Finanzierungsgrundsätze

Das übergeordnete finanzpolitische Ziel von Bertelsmann ist die Gewährleistung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Finanzierungssicherheit, Eigenkapitalrentabilität und Wachstum. Dazu richtet der Konzern seine Finanzierung an den Anforderungen eines Credit Rating der Bonitätsstufe „Baa1/BBB+“ und den damit verbundenen qualitativen und quantitativen Kriterien aus. Rating und Transparenz gegenüber dem Kapitalmarkt leisten einen bedeutenden Beitrag zur finanziellen Sicherheit und Unabhängigkeit des Unternehmens.

Entsprechend der Konzernstruktur erfolgt die Kapitalallokation zentral über die Bertelsmann SE & Co. KGaA, die die Konzerngesellschaften mit Liquidität versorgt und die Vergabe von Garantien und Patronatserklärungen für Konzerngesellschaften steuert. Der Konzern bildet weitgehend eine finanzielle Einheit und optimiert damit die Kapitalbeschaffungs- und Anlagemöglichkeiten.

Die finanzielle Steuerung bei Bertelsmann erfolgt nach quantifizierten Finanzierungszielen, die sich an der wirtschaftlichen Verschuldung und mit abgeschwächter Bedeutung an der Kapitalstruktur orientieren. Zu den Finanzierungszielen gehört ein dynamischer Verschuldungsgrad (Leverage Factor), der sich aus dem Verhältnis der wirtschaftlichen Schulden zum Operating EBITDA ergibt und den definierten Wert von 2,5 nicht überschreiten sollte. Bei der Ermittlung des Verschuldungsgrads sind die im Berichtszeitraum begebenen Hybridanleihen zur Hälfte berücksichtigt. Die wirtschaftlichen Schulden sind definiert als Nettofinanzschulden abzüglich des 50-prozentigen Anteils des Nominalkapitals der Hybridanleihen, zuzüglich Pensionsrückstellungen, Genusskapital und Nettobarwert der Operating Leases und werden wie das OpeRating EBITDA für Berechnungszwecke modifiziert.

Finanzierungsziele  

Ziel20152014
Leverage Factor: Wirtschaftliche Schulden/Operating EBITDA1)< 2,52,42,7
Coverage Ratio: Operating EBITDA/Finanzergebnis1)> 4,010,17,5
Eigenkapitalquote: Eigenkapital zu Konzernbilanzsumme (in Prozent)> 25,041,238,9

Am 31. Dezember 2015 lag der Leverage Factor mit 2,4 unter dem Vorjahreswert und unterhalb des selbstgesetzten Höchstwertes von 2,5 (31. Dezember 2014: 2,7). Die wirtschaftlichen Schulden reduzierten sich zum 31. Dezember 2015 auf 5.609 Mio. € nach 6.039 Mio. € im Vorjahr. Eine Entlastung ergab sich vorwiegend durch die im Berichtszeitraum begebenen Hybridanleihen, die nur zur Hälfte den wirtschaftlichen Schulden zugerechnet werden. Die Nettofinanzschulden erhöhten sich auf 2.765 Mio. € (Vj.: 1.689 Mio. €). Der Anstieg ist im Wesentlichen auf eine freiwillige Zuführung von 650 Mio. € des durch den Bertelsmann Pension Trust e. V. treuhänderisch verwalteten Planvermögens im Rahmen der Einbeziehung von Gruner + Jahr und Prinovis zurückzuführen. Die Pensionsrückstellungen und ähnliche Verpflichtungen reduzierten sich dementsprechend und lagen zum 31. Dezember 2015 bei 1.709 Mio. € (31. Dezember 2014: 2.698 Mio. €).

Ein weiteres Finanzierungsziel ist die Coverage Ratio (Zinsdeckungsgrad). Sie berechnet sich aus dem Verhältnis von Operating EBITDA (nach Modifikationen) zum Finanzergebnis und soll über einem Wert von 4 liegen. Im Berichtszeitraum lag die Coverage Ratio bei 10,1 (Vj.: 7,5). Die Eigenkapitalquote im Konzern lag mit 41,2 Prozent (31. Dezember 2014: 38,9 Prozent) weiterhin deutlich über der selbstgesetzten Mindestanforderung von 25 Prozent.

Finanzierungsaktivitäten

Anleihen und Schuldscheindarlehen der Bertelsmann SE & Co. KGaA  

Emissions­volu­men
in Mio. €
Buch­wert 31.12.2015
in Mio. €
Fällig­keitTypNominal­zins in Pro­zent
1.00078626. September 2016Anleihe4,750
60604. Mai 2019Schuld­schein­dar­lehen4,207
10010018. November 2019Floating Rate Note3-Mon.-EURIBOR + 40 Bp.
1001001. Dezember 2020Schuldscheindarlehen0,774
7507422. August 2022Anleihe2,625
50049614. Oktober 2024Anleihe1,750
1501491. Dezember 2025Schuldscheindarlehen1,787
1009829. Juni 2032Anleihe3,700
65064623. April 20751)Hybridanleihe3,000
60059623. April 20752)Hybridanleihe3,500

Im Berichtszeitraum wurde die Kapitalausstattung im Konzern mit der Begebung von zwei Hybridanleihen im Gesamtvolumen von 1,25 Mrd. € gestärkt. Die nachrangigen Anleihen mit einer Laufzeit von 60 Jahren wurden in zwei durch Bertelsmann vorzeitig kündbaren Tranchen begeben. Die erste Tranche in Höhe von 650 Mio. € mit einem Kupon von 3,0 Prozent ist erstmals nach acht Jahren kündbar. Die zweite Tranche in Höhe von 600 Mio. € mit einem Kupon von 3,5 Prozent ist erstmals nach zwölf Jahren kündbar. Die in Luxemburg gelisteten Anleihen wurden von Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) mit einem Emissions-Rating von Baa3 bzw. BBB- bewertet. Beide Anleihen werden von den Ratingagenturen zur Hälfte als Eigenkapital eingestuft und entlasten dadurch die für das Bonitätsrating relevanten Finanzkennzahlen von Bertelsmann.

Im Oktober wurde eine fällige Anleihe termingerecht aus bestehender Liquidität zurückgezahlt. Darüber hinaus nahm Bertelsmann am 1. Dezember 2015 ein Schuldscheindarlehen mit fünfjähriger Laufzeit über 100 Mio. € und ein Schuldscheindarlehen mit zehnjähriger Laufzeit über 150 Mio. € auf.

Laufzeitenprofil – Finanzschulden in Mio. €

Laufzeitenprofil – Finanzschulden in Mio. €

Rating

Bertelsmann verfügt seit dem Jahr 2002 über Emittenten- Ratings der Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s (S&P). Die Emittenten-Ratings erleichtern den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten und stellen daher ein wichtiges Element der Finanzierungssicherheit von Bertelsmann dar. Bertelsmann wird von Moody’s mit „Baa1“ (Ausblick: stabil) und von S&P mit „BBB+“ (Ausblick: stabil) bewertet. Beide Credit Ratings liegen im Investment-Grade-Bereich und entsprechen dem Zielrating von Bertelsmann. Die Einschätzung zur kurzfristigen Kreditqualität von Bertelsmann wird von Moody’s mit „P-2“ und von S&P mit „A-2“ beurteilt.

Kreditlinien

Der Bertelsmann-Konzern verfügt zusätzlich zur vorhandenen Liquidität über eine syndizierte Kreditlinie mit einer Laufzeit bis 2020. Diese bildet das Rückgrat der strategischen Kreditreserve und kann von Bertelsmann durch Ziehung in Euro, US-Dollar und Britischen Pfund bis zu einem Betrag von 1,2 Mrd. € revolvierend in Anspruch genommen werden.

Kapitalflussrechnung

Im Berichtszeitraum wurde ein Cashflow aus der betrieblichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 1.600 Mio. € generiert (Vj.: 1.523 Mio. €). Der nachhaltige, um Einmaleffekte bereinigte Operating Free Cash Flow betrug 1.559 Mio. € (Vj.: 1.711 Mio. €). Die Abweichung gegenüber dem Vorjahreswert ist u. a. zurückzuführen auf eine insgesamt höhere Mittelbindung im Nettoumlaufvermögen. Höhere Belastungen ergeben sich zudem aus den Investitionen in langfristige operative Vermögenswerte. Die Cash Conversion Rate lag bei 83 Prozent (Vj.: 97 Prozent). Der Cashflow aus Investitionstätigkeit lag bei -1.785 Mio. € (Vj.: -1.523 Mio. €). Auf Investitionen in immaterielle Vermögenswerte, Sach- und Finanzanlagen entfallen davon -1.093 Mio. € (Vj.: -758 Mio. €). Die Kaufpreiszahlungen für konsolidierte Beteiligungen (abzüglich erworbener liquider Mittel) betrugen -166 Mio. € (Vj.: -820 Mio. €). Die Einzahlungen aus dem Verkauf von Tochterunternehmen und sonstigen Geschäftseinheiten sowie von sonstigem Anlagevermögen lagen bei 163 Mio. € (Vj.: 90 Mio. €). Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit betrug 122 Mio. € (Vj.:-1.434 Mio. €). Die Abweichung ist im Wesentlichen auf Mittelzuflüsse aus der Emission von Hybridanleihen im Berichtszeitraum zurückzuführen. Dividenden an die Aktionäre der Bertelsmann SE & Co. KGaA beliefen sich auf -180 Mio. € (Vj.: -180 Mio. €). Dividenden an nicht beherrschende Anteilseigner und weitere Auszahlungen an Gesellschafter wurden in Höhe von -450 Mio. € (Vj.: -585 Mio. €) ausgezahlt. Zum 31. Dezember 2015 verfügte Bertelsmann über liquide Mittel in Höhe von 1,3 Mrd. € (Vj.: 1,3 Mrd. €).

Konzern-Kapitalflussrechnung (Kurzfassung)  

in Mio. €20152014 (angepasst)
Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit1.6001.523
Cashflow aus Investitionstätigkeit-1.785-1.523
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit122-1.434
Zahlungswirksame Veränderung der liquiden Mittel-63-1.434
Wechselkursbedingte und sonstige Veränderungen der liquiden Mittel4250
Liquide Mittel am 1.1.1.3312.715
Liquide Mittel am 31.12.1.3101.331
Abzüglich liquider Mittel der Veräußerungsgruppen-2
Liquide Mittel am 31.12. (laut Konzernbilanz)1.3101.329

Außerbilanzielle Verpflichtungen

Unter die außerbilanziellen Verpflichtungen fallen Haftungsverhältnisse und sonstige finanzielle Verpflichtungen, die nahezu ausnahmslos aus der operativen Tätigkeit der Unternehmensbereiche resultieren. Die außerbilanziellen Verpflichtungen erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr. Die zum 31. Dezember 2015 vorhandenen außerbilanziellen Verpflichtungen hatten für das abgelaufene wie auch das künftige Geschäftsjahr keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage des Konzerns.

Investitionen

Die Gesamtinvestitionen einschließlich übernommener Finanzschulden in Höhe von 41 Mio. € (Vj.: 62 Mio. €) lagen im Geschäftsjahr 2015 bei 1.281 Mio. € (Vj.: 1.601 Mio. €). Die Investitionen gemäß Kapitalflussrechnung betrugen 1.259 Mio. € (Vj.: 1.578 Mio. €). Von den Sachanlageinvestitionen in Höhe von 297 Mio. € (Vj.: 334 Mio. €) entfiel wie in den Vorjahren der größte Teil auf Arvato. In immaterielle Vermögenswerte wurden 349 Mio. € (Vj.: 248 Mio. €) investiert, die insbesondere auf die RTL Group für Investitionen in Filmrechte sowie auf BMG für den Erwerb von Musikkatalogen entfielen. Für Investitionen in Finanzanlagen wurden 447 Mio. € (Vj.: 176 Mio. €) aufgewandt. Hierzu zählen insbesondere die Anteilserwerbe an HotChalk und Udacity. Kaufpreiszahlungen für konsolidierte Beteiligungen (abzüglich erworbener liquider Mittel) lagen im Berichtszeitraum bei 166 Mio. € (Vj.: 820 Mio. €).

Investitionen nach Bereichen  

in Mio. €20152014
RTL Group330468
Penguin Random House43121
Gruner + Jahr5262
Arvato203246
Be Printers1629
Corporate Investments613656
Summe Investitionen der Bereiche1.2571.582
Corporate Center/Konsolidierung2-4
Gesamtinvestitionen1.2591.578

Bilanz

Die Bilanzsumme zum 31. Dezember 2015 erhöhte sich auf 22,9 Mrd. € (Vj.: 21,6 Mrd. €). Die liquiden Mittel lagen mit 1,3 Mrd. € auf dem Niveau des Vorjahres (Vj.: 1,3 Mrd. €). Das Eigenkapital erhöhte sich auf 9,4 Mrd. € (Vj.: 8,4 Mrd. €). Ausschlaggebend hierfür war der Anstieg der Gewinnrücklagen infolge des signifikant gestiegenen Konzernergebnisses im Berichtszeitraum. Durch das höhere Eigenkapital erhöhte sich auch die Eigenkapitalquote von 38,9 Prozent im Vorjahr auf 41,2 Prozent. Das auf die Aktionäre der Bertelsmann SE & Co. KGaA entfallende Eigenkapital stieg auf 7,5 Mrd. € (Vj.: 6,5 Mrd. €). Die Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen verringerten sich größtenteils aufgrund einer freiwilligen Zuführung des durch den Bertelsmann Pension Trust e. V. treuhänderisch verwalteten Planvermögens und eines zinsbedingten Rückgangs der Verpflichtungen aus Versorgungszusagen auf 1.709 Mio. € (Vj.: 2.698 Mio. €). Durch die im Abschnitt „Finanzierungsaktivitäten“ beschriebene Aufnahme von Finanzschulden stiegen die Bruttofinanzschulden von 3.018 Mio. € auf 4.075 Mio. € zum 31. Dezember 2015. Darüber hinaus blieb die Bilanzstruktur im Vorjahresvergleich weitgehend unverändert.

Bilanzstruktur

Bilanzstruktur

Genusskapital

Zum 31. Dezember 2015 betrug der Nennwert des Genusskapitals unverändert zum Vorjahr 301 Mio. €. Unter Anwendung der Effektivzinsmethode belief sich der Buchwert des Genusskapitals zum 31. Dezember 2015 auf 413 Mio. € (Vj.: 413 Mio. €). 94 Prozent des nominalen Genusskapitals entfallen auf den Genussschein 2001 (ISIN DE0005229942) und 6 Prozent auf den Genussschein 1992 (ISIN DE0005229900).

Die Genussscheine 2001 sind an der Frankfurter Wertpapierbörse zum Handel im Regulierten Markt zugelassen. Die Notierung erfolgt in Prozent des Nominalwerts. Im Juni erreichte der Schlusskurs des Genussscheins 2001 mit 296,00 Prozent seinen niedrigsten Stand, im April mit 357,50 Prozent seinen höchsten Stand im Geschäftsjahr 2015.

Nach den Genussscheinbedingungen für den Genussschein 2001 beträgt die Ausschüttung für jedes volle Geschäftsjahr 15 Prozent auf den Grundbetrag, vorausgesetzt, es stehen ein ausreichendes Konzernergebnis und ein ausreichender Jahresüberschuss der Bertelsmann SE & Co. KGaA zur Verfügung. Diese Voraussetzungen wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr erfüllt. Daher wird für die Genussscheine 2001 auch für das Geschäftsjahr 2015 eine Ausschüttung von 15 Prozent auf den Grundbetrag erfolgen.

Aufgrund des geringen Volumens weisen die zum Regulierten Markt an der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassenen Genussscheine 1992 einen nur noch bedingt liquiden Börsenhandel auf. Für die Genussscheine 1992 richtet sich die Ausschüttung nach der Gesamtkapitalrendite des Konzerns. Da im Geschäftsjahr 2015 eine Gesamtkapitalrendite von 6,99 Prozent (Vj.: 4,93 Prozent) erzielt wurde, wird sich die Ausschüttung auf die Genussscheine 1992 für das Geschäftsjahr 2015 auf 7,99 Prozent (Vj.: 5,93 Prozent) des Grundbetrags belaufen.

Die Ausschüttung auf beide Genussscheine wird voraussichtlich am 10. Mai 2016 erfolgen. Laut den Genussscheinbedingungen kontrolliert der Abschlussprüfer der Bertelsmann SE & Co. KGaA, ob die Gewinnausschüttung zutreffend ermittelt wurde. Hierüber legt der Abschlussprüfer für beide Genussscheine eine Bescheinigung vor.